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August II. v. Miaskowski

*26.01.1838 Pernau/Livland
+22.11.1899 Leipzig

V: Carl v. Miaskowsky *4.7.1810, +5.10.1878.
M: Auguste Louise v. Seeberg *23.5.1812, +14.10.1870.

 

Stammtafel

Vorfahren

Nachkommen

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Bedeutung

Über August II. v. Miaskowski kann ein fast vollständiges Lebensbild gezeichnet werden. Als bedeutender Gelehrter wird er nicht nur in den einschlägigen Biographien (Allgemeine Deutsche Biographie, Neue Deutsche Biographie, Deutsch Baltische Biographie) gewürdigt, sondern seine umfangreichen wissenschaftlichen Bücher haben den Zeitgeist sehr geprägt.

Von besonderem Interesse ist das Buch, das seine Frau, Pauline (Ina) Dorothea geb. v. Staden, über ihren Ehemann und über ihr gemeinsames Familienleben geschrieben hat, um ihren Kindern und Enkeln ein Bild ihres Lebens zu geben (Ina v. Miaskowski, August v. Miaskowski, Ein Lebensbild und Familienbuch, Elbing 1905). Vorrangig werden die Erlebnisse innerhalb der Familie wie Feste, Ereignisse im Haushalt, der Bekannten- und Freundeskreis, die Umzüge und Reisen in heiterer und plaudernder Weise erzählt; Daten der Familiengeschichte und Themen aus der Wissenschaft dagegen nur kurz abgehandelt. Als hilfreich für die Forschung hat sich auch die Vielzahl an Veröffentlichungen, Quellen, Briefen, Dokumenten und Schriften erwiesen.

 

Professor der Nationalökonomie

August II. v. Miaskowski besuchte das deutsche Gymnasium  der St. Annenschule in St. Petersburg und studierte anschließend in Dorpat von 1857-1862 Rechtswissenschaft. Er beendete sein Studium 1863/64 in Berlin und Heidelberg und promovierte am 6. August 1864 in Heidelberg zum Dr. jur. Nach Rückkehr in die Heimat vertrat er die estländischen Städte Narwa und Reval in der Zentraljustizkommission, die eine Reform der gemeinrechtlichen Zivil- und Kriminalprozessordnung durchführte. 1866 legte er in Dorpat das juristische Magisterexamen ab und ließ sich in Riga als Hofgerichtsadvokat nieder und bekleidete zugleich die Stellung eines Sekretärs in der Kanzlei des Generalgouverneurs der Ostseeprovinzen. Hier oblag ihm das Dezernat für Agrar- und Gemeindeangelegenheiten.

Bereits 1868 übernahm er an dem baltischen Polytechnikum die Lehrtätigkeit für Handels-, Wechsel- und Seerecht. Als national deutsch gesinnter Balte sah er frühzeitig den immer stärker werdenden Druck der Regierung  zu einer Russifizierung und Unterdrückung der deutschen Bevölkerung voraus und verließ 1871 Riga. Bereits zu diesem Zeitpunkt hatte er vor endgültig nach Deutschland zu übersiedeln und seine Familie später nachzuholen. Er studierte 1872 das neue Gebiet der Nationalökonomie und arbeitete bei Ernst Engel, dem Direktor des preußischen statistischen Büros in Berlin, und bei Bruno Hildebrecht, dem Leiter des thüringischen statistischen Büros in Jena. Hier habilitierte er sich 1873 (Die Gebundenheit des Grund und Bodens durch Familien-Fideikommisse) um bereits 1874 eine Berufung nach Basel als Professor für Nationalökonomie und Statistik anzunehmen.

Die Familie konnte sich anfänglich erst nach Überwindung von Schwierigkeiten an Land und Leute gewöhnen bis ein großer Freundes- und Bekanntenkreis die Fremdlinge herzlich aufnahm. Ina v. Miaskowski schildert ausführlich das gesellschaftliche Leben in Basel und die Personen, mit denen die Familie verkehrte. Dazu gehört auch Friedrich Nietzsche mit dem er bis 1875 regen Kontakt hat.

Basel wurde ein Höhepunkt in der Schaffungsperiode August II. v. Miaskowski.
Hier verfasste er seine bedeutendsten Werke wie

Isaak Iselin, ein Beitrag zur Geschichte der volkswirtschaftlichen Bestrebungen in der Schweiz, Basel 1875.
Die Verfassung der Land-, Alpen- und Forstwirtschaft der deutschen Schweiz in ihrer geschichtlichen Entwicklung, Basel 1878.
Die schweizerische Allmend in ihrer geschichtlichen Entwicklung, Leipzig 1879.
Festschrift zur Jahrhundertfeier der Gesellschaft des Gemeinnützigen und Guten in Basel, Basel 1878.

Eine Würdigung seiner wissenschaftlichen Arbeit und der Baseler Zeit findet sich bei Andreas Staehelin (Professoren der Universität Basel aus fünf Jahrhunderten, Basel 1960)

August II. v. Miaskowski unterbricht seine Tätigkeit 1876/77 in Basel, um an der Landwirtschaftlichen Hochschule in Hohenheim zu lehren. 1881 verlässt er Basel endgültig, um einem Ruf der Universität Breslau zu folgen. Hier entsteht sein wichtigstes Werk (Das Erbrecht und die Grundeigentumsverteilung im Deutschen Reich, Kritik zur Reform des deutschen Erbrechts, 2 Teile, Leipzig 1882 u. 1884), das ihm die Mitgliedschaft im preußischen Landesökonomiekollegium und im Deutschen Landwirtschaftsrat bringt. Aus Protest gegen die hohen Schutzzölle tritt er 1887 aus dem Landwirtschaftsrat aus. 1889 erschien eine Sammlung seiner Vorträge und Veröffentlichungen.

Obwohl es ihm und seiner Familie in Breslau sehr gefällt und viele berufliche und persönliche Verbindungen entstehen, folgt er 1889 dem Ruf der Universität Wien. Seine Antrittsvorlesung (Das Problem der Grundbesitzverteilung in geschichtlicher Entwicklung, Antrittsvorlesung an der Wiener Universität am 15. Oktober 1889, Leipzig 1890) fasst die bisherigen Arbeitsergebnisse seines wissenschaftlichen Lebens zusammen. Doch in Wien wird er nicht heimisch, die vielen Intrigen und die Mentalität der Bevölkerung sind ihm zuwider.

So nimmt er mit Freuden 1891 die Berufung nach Leipzig als Nachfolger Brentanos an. Gleichzeitig werden ihm der Titel und der Rang eines Geheimen Hofrates verliehen. Er wird Mitglied der sächsischen Akademie der Wissenschaften und Mitglied des Internationalen Statistischen Instituts. In seiner Antrittsvorlesung (Die Anfänge der Nationalökonomie, Antrittsvorlesung an der Universität Leipzig am 23. Oktober 1891, Leipzig 1891) widmet er sich dem neuen Arbeitsgebiet der Nationalökonomie, das Schwerpunkt seiner Forschungen sein wird. August II. v. Miaskowski ist weiter publizistisch tätig mit vielen Beiträgen in Fachzeitschriften und mit Vorträgen. Aber seine Kraft erlahmt und er schuf keine großen Werke mehr. Seine Lehrtätigkeit an der Uni reduziert sich und ist vorwiegend privatim.

Sein Gesuch um die Versetzung in den vorzeitigen Ruhestand zum 1.4.1898 genehmigt das Ministerium am 18.12.1897. Am 22.11.1899 verschied er nach langem schweren Leiden. Sein langjähriger Freund Karl Bücher hielt  vor der königlich sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften den Nachruf (Nekrolog auf August v. Miaskowski in: Berichte über die Verhandlungen der königlich sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften zu Leipzig, 52. Band, Leipzig 1900, S. 351-358).

 

Familienvater

Ina v. Miaskowski schildert in ihrem Buch nicht nur das Familienleben, son­dern gibt auch ein liebevolles Porträt ihres geliebten Gatten. Danach ist er nicht nur ein gütiger und verständnisvoller Ehemann und Vater seiner Kinder, sondern auch eine charismatische Persönlichkeit, die andere Menschen motiviert und in seinen Bann zieht. Als guter Gastgeber ist er Mittelpunkt jeder Gesellschaft. Gleichzeitig gibt das Buch ein anschauliches Bild des Lebens adeliger Kreise, das abgehoben vom Bürgertum ist und dem doch ähnelt. Die Mutter schrieb das Buch für die Kinder, um den zu früh verstorben Vater das „Andenken möglichst lebendig bei Euch und Euren Kinder fortleben, als leuchtendes Beispiel sollt Ihr ihn …. wenigstens im Gedächtnis behalten“. Es endet 1891 mit dem Umzug von Wien nach Leipzig. Es fehlen seine letzten acht Lebensjahre, die wohl von Krankheit und Leiden geprägt sind. Über die Kinder erfahren wir nur etwas über die Jugendjahre, der weitere Lebensweg bleibt im Verborgenen. Das gilt auch für die übrige Familie v. Miaskowski und deren Anverwandten. Für die Familienforschung noch ein unbekanntes und schwieriges Feld, da die Spuren nach St. Petersburg und nach Moskau führen.

Am 2. Oktober 1866 heiratete August II. v. Miaskowski auf Gut Praulen bei Lasdohn in Livland Pauline (Ina) Dorothea v. Staden (*15. 1. 1847 in Tobra, +1924 in Leipzig) und war so mit den bedeutenden baltischen Adelsfamilien verwandt. Aus der Ehe stammen 5 Kinder:
Martha *23. April 1868 Riga, +16.6.1871 Riga;
Kurt *11.10.1869 Riga, +18.10.1934 Leipzig;
Friedrich (Fritz) *25.10.1871 Riga;
Pauline (Ina) *19.9.1873 Jena, +2.11.1919 Leipzig und
Paul *22.7.1876 Stuttgart.
Pauline (Ina) hat den Arzt Dr. Ernst Eggebrecht in Leipzig geheiratet. Ihr Sohn Axel Eggebrecht (*10 Januar 1899 Leipzig; +14 Juli 1991 Hamburg) wurde ein bekannter Schriftsteller, Film- und Theaterautor und war nach dem Krieg ein Mitgründer des Rundfunks NWDR.

In Basel wurde wahrscheinlich der zweiteilige Aufsatzschrank aus den Jahren um 1740 erworben, der ca. 1930 umgebaut und 1999 restauriert wurde (Familienbesitz Wegener, München). Die Intarsienarbeiten im Innenbogen mit dem Motiv Postbote könnten in Verbindung mit dem Entstehungsjahr auch von dem in Postdiensten stehenden wirklichen Staatsrat Carl v. Miaskowski beschafft worden sein. 1874 beim Umzug nach Basel wäre dann der Aufsatzschrank ausgebaut und in Teilen von Riga nach Basel mitgenommen worden.

Vorderansicht des Schrankes

Detailaufnahme 1 Postbote mit Horn

Detailaufnahme 2 Postbote mit Horn

 

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