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Impressum

Hildegard v. Gierke

*30.9.1880 Breslau
+14.4.1966 Osterode/Südharz

V: Otto (v.) Gierke *11.1.1841, +10.10.1921.
M: Maria Caecilie (Lili) Loening *24.5.1850, +9.3.1936.

 

Stammtafel

Vorfahren

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(Der Text stammt von Hildburg Wegener)

Bedeutung

Anders als ihre um sechs Jahre ältere Schwester Anna (siehe Personen/Gierke/Anna) war Hildegard von Gierke Teil einer neuen Generation berufstätiger Frauen im späten Kaiserreich. Nach einigen Jahren in der Familie hat sie gegen anfänglichen väterlichen Widerstand eine Berufstätigkeit angestrebt und sich dafür eine solide, an den Erziehungsprinzipien von Friedrich Froebel orientierte Ausbildung verschafft. Damit gehörte sie bald zu dem Kreis der im pädagogischen Bereich tätigen Persönlichkeiten wie Salomon, Bäumer, Lange und Baum. Diese Frauen waren alle im Bund Deutscher Frauenvereine und in der liberalen Deutschen Demokratischen Partei engagiert, und hier fand auch Hildegard von Gierke ihre politische Heimat.

Auf diese Weise gelang es ihr, sich politisch und beruflich von ihrer älteren Schwester abzusetzen und ihren eigenen Weg in der Ausbildung von Kindergärtnerinnen, in der Leitung und Ausgestaltung des Pestalozzi-Froebel-Hauses und in der berufspolitischen Vertretung der neuen Frauenberufe zu gehen. Durch den Austausch mit Anna von Gierke entstand eine freundschaftliche Konkurrenz zwischen dem Pestalozzi-Froebel-Haus und dem Jugendheim, von dem beide Institutionen profitiert haben. Bemerkenswert ist, daß Hildegard von Gierke nicht nur in der Kaiserzeit und in der Weimarer Republik, sondern auch in der sowjetischen Besatzungszone Ausbildungsstätten und Lehrpläne für die neuen sozialpädagogischen Frauenberufe gestaltet und umgesetzt hat.

 

Lebensdaten

Im liberalen und weltoffenen Elternhaus erfuhren die Kinder jede Förderung und Anregung als Vorbereitung für das künftige Leben. Vor allem die Mutter Lili Loening prägt die jüngste Tochter sehr. Hildegard, die ihre Mutter sehr verehrte, hat später eindrucksvoll ihr Elternhaus und ihre Jugendzeit beschrieben (Unser Elternhaus, Erinnerungen, 1960). Schon früh übernahm sie Verantwortung und Führung im Beruf. Ihr Buch Die Natur im Jahreslauf, beobachtet mit Kindern verbunden mit Anleitungen zum Beobachten und zum Basteln war viele Jahre lang Standardwerk einer naturnahen Erziehung im Kindergarten. Auch die 1912 gedruckte Anleitung Allerlei Papierarbeiten war ebenso wie Die neue Nadelarbeit wegweisend.

Es war für sie ein harter Schlag als sie 1934 entlassen wurde und ihre Arbeit aufgeben mußte. Nach 1945 war sie in Thüringen wieder im alten Beruf tätig jedoch ohne sich dem Regime zu unterwerfen. Sie starb im Alter von 85 Jahren und ist in Osterode beerdigt.

 

Engagement für Ausbildung und Berufsbild

Hildegard von Gierke begann 1900 am Pestalozzi-Fröbel-Haus in Berlin-Schöneberg die Ausbildung zur Kindergärtnerin. Anschließend absolvierte sie neben ihrer Tätigkeit in einem Kindergarten eine Frauenschule, die sie 1904 mit dem staatlichen Lehrerinnenexamen abschloß. Nach dem Besuch von Fortbildungskursen übernahm sie 1908 den Naturkundeunterricht am Pestalozzi-Fröbel-Haus und ab 1911 auch im Jugendheim in Charlottenburg. 1911 wurden ihr außerdem die Leitung der Elementarklassen im Pestalozzi-Fröbel-Haus übertragen, für die sie durch ihre staatliche Lehrbefugnis qualifiziert war. Sie engagierte sich bei der Gründung und im Vorstand des Landheims des Pestalozzi-Fröbel-Hauses „Hundert Eichen“ in Osterode im Südharz.
Hildegard vertrat das Pestalozzi-Fröbel-Haus von 1906 bis 1908 in einer Kommission, die die Neuordnung des höheren Mädchenschulwesens in Preußen beriet und in diesem Zusammenhang auch die 1911 verabschiedete Ausbildungs- und Prüfungsordnung für Kindergärtnerinnen vorbereitete, die in vieler Hinsicht den im Pestalozzi-Fröbel-Haus entwickelten Ausbildungsgängen entsprach. Sie war im Vorstand der Berufsorganisation der Kindergärtnerinnen, Hortnerinnen und Jugendleiterinnen.

 

Leitungsaufgaben

Mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges übernahm Hildegard von Gierke die Leitung der freiwilligen Kriegshilfe in Berlin-Schöneberg, ab 1917 war sie Leiterin der Frauenarbeitszentrale in Magdeburg und damit in der Provinz Sachsen und im Herzogtum Anhalt zuständig für die soziale Betreuung und den Arbeitsschutz von Frauen in Waffen- und Munitionsfabriken. Sie wurde für diese Wohlfahrtstätigkeit mit dem Kriegsverdienstkreuz ausgezeichnet. Nach ihrer Rückkehr übernahm sie neben ihrer Lehrtätigkeit die Abteilung „Jugendschutz“ im Magistrat Schöneberg.
1920 wurde Hildegard von Gierke als Nachfolgerin von Gertrud Bäumer und Marie Baum an die Hamburger Soziale Frauenschule und das darauf aufbauende Sozialpädagogische Institut berufen. Bereits zwei Jahre später berief die Leiterin des Pestalozzi-Fröbel-Hauses Lili Dröscher sie als gleichberechtigte Mitleiterin und verantwortlich für die Praxisausbildung. Es war vorgesehen, daß sie nach deren 1936 anstehenden Pensionierung die Gesamtleitung des Pestalozzi-Fröbel-Haus übernehmen würde.

 

Erzwungener Ruhestand

Nach ihrer Entlassung zog sie  1934 nach Osterode, wo sie in der Nachbarschaft des Landheims „Hundert Eichen“ ein kleines Haus gekauft hatte. Sie engagierte sich im Kirchenvorstand der evangelischen Gemeinde und hielt den Kindergottesdienst. Die Dorfbewohner wußten, daß sie aus „rassischen Gründen“ Berlin verlassen hatte. In der erzwungenen Arbeitslosigkeit stellte sie aus Sitzungsprotokollen und Zeitungsartikeln die Chronik 25 Jahre Landheim Hundert Eichen 1909-1934 .zusammen.

 

Kindergärtnerinnenausbildung in Thüringen

Im April 1946 erhielt Hildegard von Gierke, nachdem die russische Militärbehörde die Genehmigung gegeben hatte, die Aufgabe des DDR-Landes Thüringen, in „Hundert Eichen“ eine Fachschule für Kindergärtnerinnen aufzubauen und zu leiten. Als Schulleiterin war sie für die politische Bildung und das gesellschaftliche Engagement der Schülerinnen verantwortlich, wofür sie mehrfach zu „Schulungen“ in (Ost-)Berlin war. Sie übte aber keinerlei Druck auf die Schülerinnen aus, der F.D.J. beizutreten oder sich von der Kirche fernzuhalten. 1950 legte Hildegard von Gierke mit 70 Jahren die Leitung nieder.

 

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