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            Familie Wegener

 

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Johannes Wegener

*21.10.1645 Anklam
+10.1.1712 Anklam

V: Michael I. Wegener *ca. 1615, +ca. 1689.
M: unbekannt

 

Bedeutung

Im Gegensatz zu seinem Vater Michael I., dem Spitzenahn der Familie Wegener, ist über Johannes vieles bekannt, so dass sich die Persönlichkeit aus jener Zeit uns heute erschließt. Dies liegt an den vorhandenen Quellen (Kirchenbücher in Anklam, Kaufvertrag über ein Haus, den Wechsel von der Zunft der Kleinhändler zu der Zunft der Brauer), seinem Beruf als Zinngießer, seiner klugen Heiratspolitik und seinem Hausbesitz in Anklam. Er lebte in einer bedrohlichen Zeit von Kriegen (Ende des 30-jährigen Krieges, schwedisch-polnischer Krieg 1655-1660, schwedisch-brandenburgischer Krieg 1674-79, großer Nordischer Krieg 1700-1721) mit wechselnden Besetzungen, Plünderungen und Hungersnöten, der Pest (1710-1711), unterschiedlichen Landesherrschaften und dem Niedergang der reichen und mächtigen Hansestadt zu einer bedeutungslosen Kleinstadt (siehe Ereignisse/Anklam von 1600-1750). Er war ein vermögender und geachteter Bürger der Stadt, der hohe Steuern zahlte. So zahlte er 1681 für eine Kriegskontribution 34 Reichsthaler, während sein Vater nur 16 Thaler zu entrichten hatte.

 

Lebensdaten

Johannes war wie sein Vater Michael I. Zinngießer und als Geselle in der Werkstatt seines Vaters tätig. Am 25.1.1670 heiratete er die 41-jährige vermögende Witwe des Wilhelm Rowan, geb. Maria Stegemann (*25.10.1629). Aus dieser Ehe stammen 2 Kinder, der Sohn Jacob (*10.2.1671) und die Tochter Catarina (*28.9.1673, +14.9.1694). Am 22.8.1677 mit Nachtrag vom 24.11.1678 kaufte er in Anklam eine „Bude“ (siehe Start/Quellen/Kaufvertrag). Zu dieser Zeit herrschte der schwedisch-brandenburgische Krieg und Anklam ist unter brandenburgischer Besatzung.

Im Jahre 1687 wurde Johannes Meister und übernahm die Werkstatt seines Vaters. Als Zinngießer gehörte er der Gilde (Zunft) der Höcker d.h. der Kleinhändler an, deren „Äldermann“ er wurde. Nachdem am 29.4.1687 seine Frau verstorben war, heiratete Johannes am 20.6.1688 Regina Steffen (*18.9.1644), die Tochter des Ratsherren und Brauers Steffen. Wahrscheinlich unter dem Einfluss des Schwiegervaters wechselte er 1688 von der Zunft der Höcker in die „Kaufmanns-Companie“, der er bis zu seinem Tode angehörte. In den Stadturkunden wird er nur noch als „Kaufmann“ geführt. Am 27.1.1690 trat er in die Zunft der Brauer (siehe Start/Quelle/Amtsbuch der Brauer) ein und gab 1691 die Zinngießerei ganz auf. Die Werkstatt leitete der bis jetzt dem Namen nach nicht bekannte Meister von 1691. Johannes übernahm die Brauerei des Schwiegervaters Steffen.

 

Siegel

Im Gegensatz zu seinem Vater entwickelte Johannes ein eigenes und größeres Siegel. Es ist heute leider im Kaufvertrag, den er mit dem Vermerk „Mein eigen Hand und Siegel“ versieht, in schlechten Zustand und kaum mehr lesbar. Es zeigt einen ausgestreckten Arm, dessen Faust eine Waage hält. Darüber sind die Buchstaben „I W“ zu sehen.

Sein Sohn Jacob, Zinngießer in Wollin (siehe Personen/Wegener/Jacob) verwendet dieses Siegel als Meisterzeichen und stempelt damit eine Schale und einen Standleuchter.

Es ist nicht bekannt, wann und warum Johannes ein eigenes Siegel entwickelte. Wenn Michael oder seine Vorfahren als Zinngießer-Meister das Zunftzeichen mit Namenszusatz als Siegel übernommen haben (siehe Start/Wappen/Wappen Wegener und Start/Namen/Namen Wegener), dann hätte Johannes das Siegel seines Vaters erst ab 1687 als Meister verwenden dürfen und 1688 mit Austritt aus der Gilde dieses Siegel wieder zurückgeben müssen. Vielleicht war die Heirat mit der Witwe Rowan 1670 der Anlass, ein eigenes Siegel zu schaffen, um sich gegenüber der schottischen Familie Rowan und der Zinngießer-Familie Wegener abzugrenzen und eine eigene Identität zu schaffen.

 

Die schottische Familie Rowan
(siehe Start/Verwandte Familien/Rowan)

 

Zinngießer
(siehe Ereignisse/Zinngießer in Pommern)

Bis 1687 war Johannes als Geselle in der Werkstatt seines Vaters beschäftigt. Seine Arbeiten werden das Meisterzeichen Michaels tragen und sind heute deshalb nicht mehr nachweisbar. Er musste jedoch Meister sein, um seine Zinngeräte stempeln und den Betrieb übernehmen zu können.

Das Meisterzeichen entspricht dem des Vaters, zeigt jedoch das Meisterjahr „87“ und eine anders gestaltete „4“. Johannes verwendet es wohl als Markenzeichen weiter.

Das einzige Werk mit seinem Meisterzeichen ist der Becher der Fischer-Innung 1689 (Kulturhistorisches Museum Stralsund).

Der Becher ist mit den drei Fußkugeln 10,5cm hoch und hat einen Durchmesser am oberen Rand von 8,1cm. Sein oberer Umfang beträgt 25,4cm. Die Seitenflächen zeigen in einem Feld das häufig dargestellte Motiv der drei Fische in einer Anordnung übereinander. In den anderen Feldern sind die Jahreszahl 1689 und die Namen MATTIAS PIRCKEIS und PETER BERENS eingraviert. Da diese Namen in der Anklamer Zunft der Fischer zu finden sind, ist der Becher für die Anklamer Fischer-Innung angefertigt worden. Auf der Unterseite sind das Meisterzeichen und die Zinnmarken von Anklam/Stralsund und für Mankgut (Zinnlegierung) eingestempelt.

Der Familienforscher Wolfgang Wegener erhielt 1950 zum 75. Geburtstag eine Nachbildung des Bechers der Anklamer Fischer-Innung. Während die äußere Gestalt und die Maße identisch sind, ist die Gravur anders. So fehlen die Namen der Fischer und die Jahreszahl. Dafür werden weitere Motive mit den drei Fischen dargestellt, die auch im Willkommen der Fischer zu sehen sind. Zum einen kreuzen sich in der Mitte der Leiber die Fische, zum anderen entspringen aus einem Kopf drei Fische. Im gegenüber liegenden Feld sind wie im Original drei Fische längs übereinander angeordnet. Die anderen Felder sind leer.

 

Kaufvertrag und Hausbesitz
(siehe Start/Quellen/Kaufvertrag und Orte/Anklam)

Wo Michael Wegener seine Werkstatt hatte und wo er wohnte, ist heute nicht mehr feststellbar. Stavenhagen schildert 1773 in seiner Beschreibung von Anklam die Geschichte und die Entwicklung der Stadt und fügt einen Stadtplan mit Straßennamen bei. Eine „Grapengiesserstrasse“ deutet darauf hin, dass hier die Zinngießer ihr Geschäft betrieben.

In dem Kaufvertrag vom 22.8.1677 über die „Bude“ wird nur vermerkt, dass sie neben Wilhelm Rowans Haus gelegen war. Nach den Aufzeichnungen der Familie stand diese in der Krayenstrasse. Um diese Zeit gab es keine Grundbücher und keine Katasterämter, so dass der Besitz und Kauf/Verkauf nicht immer registriert wurden. Es ist deshalb heute nicht mehr endgültig zu klären, welche Grundstücke oder Häuser der Familie Rowan oder Wegener gehörten oder durch Erbschaft in die Familien kamen.

Die erste vollständige Registrierung aller Häuser und Bewohner Anklam wurde im Rahmen der Landesaufnahme durch die schwedische Regierung 1701 durchgeführt. Danach besaß die Familie Rowan das gotische Steinhaus Nummer 22, das später unter Denkmalschutz stand und dann die Nummer 13 trug. Johann soll durch seine Frau Grundbesitz und 2 Häuser am Markt und in der Peenstraße geerbt haben. Ferner soll er Gartenland vor den Toren besessen haben. Leider ging in den Wirren des Krieges der Beschreibungsband der Landesaufnahme Anklam verloren. Es ist nur noch der Kartenbestand erhalten. Eine Durchsicht der Aufzeichnungen, die der Veranlagung zur Steuer dienten, ergab erste Hinweise auf Besitz und Erbschaften von Häusern und Grundstücken. In dem „Pertinentenverzeichnis von 1722“ sind die Namen Rowan und Wegener aufgeführt.

 

Zunft der Brauer
(siehe Start/Quellen/Amtsbuch)

Johannes trat zwar in die Zunft der Brauer ein, aber es gibt keine weiteren Dokumente über seine Tätigkeit in der Brauerei und in der Zunft.

 

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