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Die Hansestadt Anklam von 1600-1750

Anklam (erste urkundliche Erwähnung 1243 als Tanchlim; unterschiedliche Schreibweisen wie Anglem,Anglam oder Anklem entwickelten sich seit 1500 zu Anclam und Anklam), an der schiffbaren Peene gelegen, war bis ins 16. Jahrhundert eine alte, mächtige und reiche Hansestadt. Im 17. Jahrhundert erlitt die Stadt jedoch durch Kriegseinwirkungen, Besetzungen fremder Mächte und lokale Ereignisse (Pest, Brände) schwere Schäden. Sie sollte sich nie wieder von diesen Schicksalsschlägen erholen und ist seitdem eine Kleinstadt ohne Bedeutung geworden. Zählte man um 1600 etwa 5400 Einwohner, so waren es 1722 nur noch 1853 Personen.

1605 beginnt das Jahrhundert mit einer großen Pest, nachdem die letzte Epidemie von 1565 noch in der Erinnerung der Bevölkerung war. 1400 Menschen werden ihr Opfer. 30 Jahre später wird die nächste, die dritte Pestwelle kommen.

Im 30-jährigen Krieg ist Pommern Schauplatz der Kämpfe zwischen den beteiligten Mächten, den Schweden und den kaiserlichen Truppen. Für die Region bedeutet dies Belagerung der Städte, Plünderungen, Brandschatzung, finanziellen Lasten und Steuern, sowie Hungersnot und unendliches Leiden für die Bevölkerung.

1627 wird Anklam von kaiserlichen Truppen besetzt, aber bereits 1630 von schwedischen Truppen unter Gustav Adolf eingenommen, die furchtbar hausen und schreckliche  Gräuel an den Menschen verüben. Der "Schwedentrunk" gilt seit dieser Zeit als grausamste Folter und ist bis heute im Bewusstsein der Menschen geblieben. Er ist Synonym für die schwedische Besatzung und den 30-jährigen Krieg. Der Kampf der Schweden gegen die kaiserlichen Truppen bringt Plünderungen und Verwüstungen. 50-70% der Bevölkerung kommen durch Kriegshandlungen, Seuchen oder Mangel an Nahrungsmitteln um.

Die Befestigungsanlagen und die Vorwerke (Raveline, Hornwerke) werden 1634 erweitert. 1637 endet mit dem Tode des Herzogs Bogislaw XIV. die pommersche Eigenstaatlichkeit. Schweden und Brandenburg erheben Erbschaftsansprüche. Das von Schweden besetzte Anklam wird 1637 zweimal von den Kaiserlichen angegriffen und belagert. Im Herbst kann die Stadt kurzfristig eingenommen werden, wird geplündert und muss jedoch wegen Mangel an Nahrungsmitteln wieder geräumt werden. Im Juli 1638 verlassen die schwedischen Truppen die Stadt. Zusätzlich zu den Kriegsereignissen wütet 1637/38 erneut die Pest und es ist das schwärzeste Jahr in der Geschichte der Hansestadt.

Der westfälische Friede in Osnabrück bringt 1648 für Anklam und Vorpommern die schwedische Landesherrschaft, während der Kurfürst von Brandenburg Hinterpommern erhält. Im Stettiner Grenzrezeß wird 1653 die Teilung Pommerns bestätigt. Die schwedische Königin Christina bestätigt am 24. September 1653 der Stadt Anklam ihre Privilegien.

Aber Anklam kommt nicht zur Ruhe. Es kommt zu Erbfolgestreitigkeiten zwischen Brandenburg und Schweden. Im schwedisch-polnischen Krieg (1655-1660) verwüsten 1657 die Truppen des polnischen Generals Czarnewski das Land. Eine große Feuersbrunst legt 1659 im Nordwestteil von Anklam 100 Häuser und die Heiliggeistkirche in Schutt und Asche.

Im schwedisch-brandenburgischen Krieg (1674-1679) belagert der brandenburgische Kurfürst Friedrich Wilhelm mit seinen Truppen 1676 sechs Wochen lang die Stadt, die mit dem Umland unter den Kämpfen sehr zu leiden hat. Am 30. August 1676 übergeben die Schweden und Anklam wird bis 1679 brandenburgisch. Die bäuerliche Bevölkerung ist geflüchtet oder tot, eine Landwirtschaft wird nicht mehr betrieben. 1679 muss der Kurfürst im Frieden von St. Germain Anklam und Vorpommern wieder an die Schweden abtreten. Es folgen einige Jahre ohne Krieg. Die schwedische Regierung führt von 1681-1700 eine Landesvermessung Vorpommerns ein und legt Matrikelkarten an.

Die Stadt leidet 1710/1711 zum letzten Mal unter der Pest. Im großen Nordischen Krieg (1700-1721) besetzen 1711 die verbündeten Polen, Sachsen, Dänen, Russen und Preußen im Kampf gegen den Schwedenkönig Karl XII. die Stadt. 1713 wird auf Befehl des Zaren die Stadt 3 Tage geplündert und soll in Brand gesetzt werden. Dies wird jedoch durch das mutige Einschreiten des dänischen Commodore Carlson verhindert, der dabei durch den russischen Generalmajor, Baron von Staff, ermordet wird. Anklam huldigt 1718 dem Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. und wird 1720 durch den Frieden von Stockholm, der den nordischen Krieg beendet, mit Preußen vereinigt. Die Peene wird Grenze zu Schweden und der Peenedamm bleibt bis 1815 schwedisch.

Die Hansestadt wird 1728 Garnisonsstadt. Der Aufbau der zerstörten Region beginnt 1734-1764 mit der Anlage von Kolonistendörfern. 1738 wird die Heiliggeistkirche wieder aufgebaut und Garnisonskirche der preußischen Truppen. Während des Siebenjährigen Krieges ist die Stadt von 1757 bis 1761 wechselnd in schwedischer oder preußischer Hand und muss erneut unter den Kriegsfolgen leiden. (ausführliche Beschreibung zur Geschichte Anklam siehe Stavenhagen, Topographische und chronologische Beschreibung der pommerschen Kauf- und Handelsstadt Anklam; Reinhold, Chronik der Stadt Anklam; Wieden, Handbuch der historischen Stätten Deutschlands; Keyser, Deutsches Städtebuch; Heimatkalender Anklam und Umgebung).

 

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