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Wolfgang Wegener

*16. 9. 1875 Stettin
+29.10.1956 Berlin-Zehlendorf

V: Eduard Wegener *5.8.1837, +20.2.1909.
M: Martha Zitelmann *13.5.1847, +13.4.1923.

 

Stammtafel

Vorfahren

Nachkommen

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(Der Text stammt von Henning Wegener)

Seestrategischer Denker

Ehepaar Wegener 1901

Nach dem Abschluss des humanistischen König-Wilhelms-Gymnasiums trat er unter dem Einfluss des späteren Großadmirals Henning v. Holtzendorff 1894 in die kaiserliche Marine ein. Als Leutnant zur See fuhr er 1897-1899 auf dem Kreuzer DEUTSCHLAND im Geschwader des Prinzen Heinrich zu einer Ostasienreise. Weitere Einsätze fand er in der damals entscheidenden Waffe des Seekrieges - der Artillerie - als 1. Artillerieoffizier auf dem Großen Kreuzer BLÜCHER(1909-10 und 1912-17). Seit 1917 war er 1. Admiralstabsoffizier des I. Geschwaders und nahm an der Skagerrak-Schlacht teil. Als Kommandant führte er 1917-1918 die Kreuzer REGENSBURG und NÜRNBERG. Seit dem 21. 1. 1920 zum Kapitän z. See und 1923 zum Konteradmiral befördert, war er in der Reichsmarine ab 1920 bis zur Verabschiedung unter Verleihung des Charakters als Vizeadmiral 1926 lnspekteur der Marineartillerie in Wilhelmshaven. Hier legte Wolfgang Wegener die Grundlagen für die im Zweiten Weltkrieg praktizierten Schießverfahren und technischen Neuerungen. Seine Verdienste um die Marine fanden mit dem EK II und I, sowie dem Ritterkreuz des Hohenzollern'schen Haus-Ordens mit Schwertern sichtbare Anerkennung.

Seine Fähigkeiten als Seeoffizier wurden früh erkannt und führten zu Verwendungen, die als Auszeichnung galten. Seine eigentliche Begabung lag jedoch im publizistischen Bereich. Er verfasste früh zahlreiche interne Denkschriften und Artikel, zunächst zu taktischen und operativen, seit 1907 auch zu strategischen Themen. Unter dem prägenden Einfluss der ersten Kriegsmonate mit erwarteter, aber ausbleibender Seeschlacht gegen England gewann Wegener die grundlegende Erkenntnis, dass die Eigenart des Seekrieges eine Abkehr von tradierten Begriffen des Landkriegs erfordere. Als eigentlicher Autor einer internen Denkschrift des I. Geschwaders und in einer Denkschriftentrilogie unter eigenem Namen (1915) entwickelte er seine Auffassung von Seegeltung und Seemacht und stellte als zwingende Voraussetzung für deren Gewinn das Vorhandensein einer in die Weltmeere vorgeschobenen geographischen Position heraus (Seemacht als Produkt von Flotte und Position). In „Die Seestrategie des Weltkrieges“ (Wegener, Wolfgang, Die Seestrategie des Weltkrieges. Privatdruck 1925, Berlin 1929, ²1941) entwickelte er seine Thesen zu einem umfassenden seestrategischen Konzept, von dem aus er die überkommene Tirpitz’sche Strategie, den darauf gegründeten Flottenbau (Risikogedanke), den defensiven Operationsplan in der Deutschen Bucht und schließlich den Glauben an eine Entscheidungsschlacht fundamental kritisiert. Entgegen dem darin verkörperten kontinentalen Denken rief Wolfgang Wegener zu seehaftem Denken auf.

Goldene Hochzeit 22.6.1951
Brautpaar mit Brautschmuck

Noch immer im Banne der Tirpitz’schen Politik, reagierte die Marineführung mit kategorischer Ablehnung, die von Wegeners persönlicher Ausgrenzung und zum Ausschluss seiner Lehren aus der Marineausbildung und dem offiziellen Schrifttum bis zur Behinderung der Marinelaufbahn seines Sohnes Edward führte. Im jüngeren Offizierskorps fanden Wegeners seestrategische Ideen dagegen Widerhall. Seine Thesen waren auch in der damaligen politischen Führung bekannt und mancherorts populär; sie wurden anlässlich der Eroberung von Dänemark und Norwegen 1940 als Begründung zitiert. Eine direkte geistige Urheberschaft daran, die ihm vornehmlich im Ausland zugeschrieben wurde, lässt sich jedoch nicht ableiten und verkennt Wegeners grundsätzliche Anliegen; das von ihm erwogene Vorschieben der seestrategischen Position nach Norden war für ihn ein Beispielfall, allenfalls eine Teillösung. Im Mittelpunkt seines Denkens stand der atlantische Seemachtsaspekt.

In der Bundeswehr, unter den Auspizien einer von Deutschland. mitgetragenen atlantischen Politik, gewann seine seestrategische Leistung neues Ansehen. Seine Seestrategie wurde zum Lehrstoff an der Bundeswehrakademie sowie der Marineschule Mürwik. Zunehmend wurden seine Gedanken auch in ausländischen Marinen gewürdigt. Sein Sohn, Edward Wegener, hat sich zeitlebens um die Vermittlung seines Erbes bemüht, es systematisiert und für das nukleare Zeitalter und die strategische Lage seiner Zeit weiterentwickelt. Einen bemerkenswerten Durchbruch brachte 1989 die Veröffentlichung der Seestrategie durch das renommierte US Naval Institute mit aufschlussreicher Einführung von Prof. Holger H. Herwig (Herwig, Holger H., (Hg.), Vice Admiral Wolfgang Wegener, German Navy, The Naval Strategy of the World War. Classics of Sea Power. Annapolis 1989), womit Wolfgang Wegeners Leistung weit über den Rahmen des eigenen Landes hinaus anerkannt wurde. Es ist sein Verdienst, neues Licht auf die deutsche Flottenpolitik und Strategie vor und im Ersten Weltkrieg geworfen, die grundsätzlichen Kategorien des Seekrieges heimisch gemacht zu haben und das Denken in weltweiten ozeanischen Zusammenhängen anzuregen. Das ist gerade in Deutschland heutiger Rolle im atlantischen Verbund von Bedeutung, auch wenn seine Vorstellung, seine Erkennt­nisse einer deutschen Weltmachtrolle dienstbar zu machen, heute geschichtliche Relevanz besitzt. Sein militärischer Nachlass wird im Bundesarchiv Freiburg i. Br. aufbewahrt.

 

Bronze-Büste mit Marmorsockel,
Basis 10,5x7,5 cm, Höhe 16,5 cm,
von Wolfgang Niedner 1957

Familienvater

Wolfgang heiratete am 22.6.1901 in Berlin seine Cousine Therese (von) Gierke (*31.12.1878 in Breslau, +23.11.1966 in Bad Nauheim), Tochter des Rechtsge­lehrten Prof. Otto (von) Gierke und Lili Loening. Das glückliche Paar hat vier Kinder, denen er ein besonders gütiger und verständnisvoller Vater war: Otto-Heinrich (*22.3.1903 Kiel, +11.9.1998 Rodenbach), Edward (*17.12.1904 Kiel, +30.12.1981 Kiel), Lili (*3.7.1907 Kiel, +12.9.1991 Bad Nauheim) und Henning (*29.10.1908 Kiel, +21.9.1961 Bremen).

1951 wurde - trotz der Einschränkungen durch die Nachkriegszeit - in großer Runde im Kreise der Familie und zahlreicher Enkel auf der Burg Trendelburg die Goldene Hochzeit gefeiert.

Sein frühzeitiger Ruhestand und sein Aufenthalt im Familienkreis der Schwie­gereltern in Berlin haben ihm nicht ganz behagt, da die geistige Auseinander­setzung mit seinem Beruf, der Politik und der Gesellschaft mangels Gesprächs­partner fehlte. Wolfgang war ein etwas verschlossener Charakter, der nur selten aus sich herausging. Er hat sehr viel gelesen und interessierte sich besonders für Politik und Geschichte. Große Wirkung hatte Oswald Spengler mit seinem "Untergang des Abendlandes" auf seine Geschichtsauffassung. Er litt sehr an dem Untergang seines Vaterlandes, dem er sein ganzes Leben lang gedient hat, zumal er diesen Untergang in seiner politischen Weitsicht und seiner konservativen Staatsauffassung bei seiner starken Ablehnung des Nationalsozialismus schon früh hat kommen sehen.

Während des Krieges wurde das Ehepaar in Berlin ausgebombt und zur Schwägerin Hildegard Gierke nach Osterode bei Nordhausen im Südharz evakuiert, wo es von 1944-1954 als Kostgänger von einer Fürsorgeunterstützung als "ungelernter Arbeiter" lebte. Besonders schmerzlich empfand das Ehepaar die Trennung  von seinen Kindern und Enkeln durch die Zonengrenze. Durch gemeinsame Bemühungen seiner Kinder gelang es, ihn und seine Frau aus der russisch besetzten Ostzone herauszuholen und ein neues Heim in Berlin-Zehlendorf zu schaffen. Es war für ihn eine große Befriedigung durch Wiedererlangung der Pension auf eigenen Füßen seine Selbständigkeit mit eigener Haushaltsführung zu erlangen.

kl. Trinkschale zum 100. Geburtstag
835-Silber, innen vergoldet
Durchmesser 7 cm, Höhe 4 cm
Gravur Außenseite: WW 16.9.1875
Bild einer Waage im Schild - 1975

Er widmete sich der Familienforschung und stellte den Stammbaum Wegener auf. Ihm verdanken wir heute die Kenntnis über unsere Vorfahren und ihm gelang es, die Tradition und das Bewusstsein in der Familie Wegener zu stärken. Über seinen Vater hat er ein sehr anschauliches Lebensbild geschrieben.

So waren seine letzten Lebensjahre verschönt, zumal durch häufige Besuche der Kinder und Enkel und durch Kontakte mit seinen alten Marinekameraden die innere Bedrückung wich. Besondere Freude bereitete ihm die Feier seines 80. Geburtstages, die die ganze Familie in Berlin zusammenführte.

Er starb am 29. Oktober 1956 an den Folgen einer Gelbsucht in Berlin-Zehlendorf. Seine Urne wurde auf dem Garnisonsfriedhof in Wilhelmshaven an der Seite seiner Mutter beigesetzt. Eine Bronzebüste (Bild- und Bronzegießerei Hermann Noack, Fehlerstr. 8, 12101 Berlin, Familienbesitz Wegener, München) wurde zu seinem Gedenken geschaffen.

An seinen 100. Geburtstag erinnert eine kleine Trinkschale. (Juwelier Hansen, Kiel. Familienbesitz Wegener, München)

Seine Frau Therese blieb zunächst in Berlin, löste jedoch 1962 aus Altersgründen den Haushalt auf und zog zu ihrer Tochter Lili nach Bad Nauheim, wo diese ein Altersheim leitete. Dort verbrachte sie ihren Lebensabend, hochverehrt als Familienmittelpunkt für Kinder, Enkel und Urenkel und der weiteren Familie. Sie starb am 23. November 1966, ihre Urne wurde auf dem Familiengrab in Wilhelmshaven zur letzten Ruhe gebettet.

 

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